Individualisierte Infektionsmedizin: Die Zukunft ist jetzt
Infektionen sind nach wie vor eine der Haupttodesursachen weltweit. Individuell zugeschnittene Vorsorge und Therapien versprechen neue Heilungsmöglichkeiten. Wie aber ist weltweit der Stand der Forschung und welches sind die drängendsten Fragestellungen – auch aus ethischer, sozialer und ökonomischer Sicht? Expertinnen und Experten diskutierten vom 21. bis 23. Juni im Schloss Herrenhausen, in Hannover.
Infektionen gehören weltweit nach wie vor zu den häufigsten Todesursachen. Neue und wiederauftretende Infektionskrankheiten stellen in Verbindung mit einer stetig zunehmenden Antibiotikaresistenz und der globalen Mobilität der Menschen die moderne Medizin vor enorme neue Herausforderungen. Daher müssen Therapien maximale Wirksamkeit mit minimalen Nebenwirkungen verbinden. Maßgeschneiderte Strategien zur Prävention und klinischen Behandlung gewinnen in diesem Zusammenhang zunehmend an Bedeutung.
In der Onkologie beispielsweise werden bereits heute erfolgreich auf den einzelnen Patienten und seinen spezifischen Tumor zugeschnittene Therapien angewendet. Im Bereich der Infektionskrankheiten ist das vielversprechende Potenzial individualisierter Therapien jedoch noch kaum ausgeschöpft. Um die diagnostische Abklärung und therapeutische Intervention in Zukunft präzise steuern zu können, müssen neue Technologien entwickelt und das vorhandene Wissen zusammengeführt werden.
Während des Symposiums „Individualisierte Infektionsmedizin – Die Zukunft ist jetzt“ im Schloss Herrenhausen in Hannover vom 21. bis 23. Juni 2018 beleuchteten führende Expert:innen aus Wissenschaft, Medizin und Pharmaindustrie sowie Vertreter:innen wichtiger Initiativen im Bereich der personalisierten Medizin aus aller Welt aktuelle Trends und Entwicklungen. In sieben Sitzungen und zwei Podiumsdiskussionen, die sich auf verschiedene Aspekte der personalisierten Medizin konzentrierten, sowie in fünf Blitzvorträgen von Stipendiat:innen und fast 50 Posterpräsentationen wurden die jüngsten Entwicklungen auf dem Gebiet der individualisierten Infektionsmedizin erörtert. Zudem wurde untersucht, welche Entwicklungen in anderen Bereichen der personalisierten Medizin auf Infektionskrankheiten übertragen werden können, um die individualisierte Infektionsmedizin weiterzuentwickeln.
Im Laufe der Diskussionen stellte sich heraus, dass es von entscheidender Bedeutung sein wird, Belege für die Wirksamkeit der personalisierten Medizin zu sammeln und ihren Wert sowohl in wirtschaftlicher Hinsicht als auch im Hinblick auf den gesellschaftlichen Nutzen nachzuweisen. Um dies zu erreichen, sind Standardisierungen sowie eine interdisziplinäre und grenzüberschreitende Zusammenarbeit von entscheidender Bedeutung. Darüber hinaus wurde die Bedeutung der Aufklärung für den Erfolg der personalisierten Medizin herausgestellt. Dazu gehört, den Akteuren im Gesundheitswesen beizubringen, die sich entwickelnden neuen Instrumente zu nutzen, um die entstehenden komplexen Datensätze gewinnbringend einzusetzen, aber auch die Aufklärung der Öffentlichkeit.
Zudem wurden Datenzugang und Datenschutz diskutiert. Es stellte sich eine Einigkeit darüber heraus, dass vorhandene Daten aus den Kliniken, aber auch aus klinischen Studien oder von Versicherungsgesellschaften zum Wohle der Patienten zugänglich gemacht werden sollten. In diesem Zuge wurde deutlich, dass noch viele Aspekte, insbesondere im Hinblick auf den Datenschutz, geklärt werden müssen. Nationale wie auch internationale Initiativen ebnen bereits den Weg, um an sich verfügbare Daten besser zugänglich zu machen. Ein weiterer entscheidender Aspekt ist die Qualität der verfügbaren Datensätze und das Fachwissen zur Nutzung moderner Technologien zur Analyse der Daten. Es zeigt sich auf, dass die Ausbildung in diesem Bereich stark gefördert werden muss. Darüber hinaus wird die aktuelle Entwicklung das Machtverhältnis in der Medizin verändern, was einer Vorbereitung bedarf.
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